Eventbericht

PES & Navigations-Seminar: ein Schritt Richtung Zukunft

von Prophet

Am 06. März besuchten wir ein Seminar der „Joint Operations Group Germany“ zu den Themen Navigation und „Personal Eye System“ (PES). Das Seminar fand im Rahmen der Vorbereitungen zur Borderwar innerhalb der Echo-Company statt.

Theorie: Navigation via Karte, Kompass und GPS

Am Sonntagmorgen um 0900 startete der Workshop mit der Theorie. Als Basis für das weitere Vorgehen wurde das „Military Grid Reference System“ (MGRS) erläutert. Da bereits der Veranstaltungsort über dieses System angegeben war, merkten wir, dass wir hier noch einiges zu lernen hatten. Ein Online-Umrechner musste uns also erst einmal bei der Anfahrt unterstützen. Die Herangehensweise im Seminar mit ausführlicher Erklärung und Übungsaufgaben verdeutlichte das MGRS-System schnell.

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Die Zielkoordinaten im MGRS Format

Für den Fall, dass man kein GPS-Gerät, dafür aber Kompass und Karte am Mann hat, folgte die Anleitung zur Bestimmung der eigenen Position mittels Kompasspeilung und Triangulation. Da die Navigation jedoch über GPS-Geräte wie das Garmin Foretrex 401 erfolgen soll, lag der Schwerpunkt auf dessen Bedienung. Nach einheitlicher Voreinstellung des Gerätes innerhalb der Gruppe, folgte eine Erläuterung verschiedener Grund- und Zusatzfunktionen, sowie die Eingabe von Wegpunkten im MGRS-Format als Übung für die Praxis am Nachmittag.

Einführung in das PES und Manöver     

PES_Screenshot
Einträge der Red Force im PES nach Übungsende

Nachdem unsere Navigationsfähigkeiten nun auf Vordermann gebracht wurden und man sich auf Funkkanäle und –Standards geeinigt hat, stand die Einführung in das PES an. Mit diesem System können Einheiten via Smartphone oder Tablet z.B. POI, ihre eigene Position oder jene anderer Einheiten, sowie deren Bewegungen detailliert eingeben und an das HQ übermitteln.

Auf die Erklärung des Systems in der Theorie, folgte die Anwendung in der Praxis. Hierzu wurden die Teilnehmer in drei Teams aufgeteilt: Blue Force, Red Force und Sniper Team (gelb). Die drei Teams betraten ein Waldgebiet an drei unterschiedlichen Infiltrationspunkten. Blue Force und Red Force, jeweils in drei Buddyteams – davon ein Command-Team – aufgeteilt, hatten die Aufgabe, sich mittels GPS Navigation auf Positionen zu begeben, die das HQ ihnen über das PES in MGRS-Form mitteilte. Dort angekommen, sollten Fotos der Position und der Positionsanzeige des Garmin an das HQ übermittelt werden, bevor man die nächsten Koordinaten erhielt. Das PES übermittelte dabei in kurzen Abständen die eigene Position an das HQ. Hat man unterwegs Mitglieder eines gegnerischen Teams gesichtet, so sollte deren Position in das PES eingegeben, ein Foto von ihnen an das HQ gesendet und die Sichtung per Funk an das Command-Team gemeldet werden.

Während das Sniper Team vorerst unentdeckt blieb, sollte es nach zwei Stunden lokalisiert und vor Erreichen des Exfiltrationspunktes gefasst werden. Hier war nun neben der sorgfältigen Sichtung und Meldung vor allem die Koordination aller Teams beider Seiten gefragt, um das Sniper Team zu schnappen, was letztlich nur wenige hundert Meter von ihrem Exfiltrationspunkt gelang.

Einschätzung des PES

Nach Abschluss der Übung versammelten sich alle Seminarteilnehmer wieder im HQ um abschließend über den Verlauf der Mission, die Erfahrungen im Umgang mit dem PES und dem Garmin, sowie die Praktikabilität und Nutzung des PES zu diskutieren.

Die Meinung war einheitlich: PES wäre ein effektives Tool ab Company-Ebene aufwärts. Fireteams und Squads haben weder Zeit noch Kapazität das PES dauerhaft aktiv zu nutzen. Zur idealen effektiven Nutzung sind zwei Personen nötig – ein PES-Bediener und ein Funker. Während Märschen oder Gefechten ist die aktive PES-Nutzung jedoch nicht möglich, sondern eher hinderlich und gar gefährlich, da man seine Umgebung aus den Augen verliert. Stattdessen wäre die aktive Nutzung eher eine Aufgabe für Spähtrupps, die aus sicherer Entfernung von einer Overwatch aus operieren. Innerhalb eines Platoons sollten nur die Leader das PES bei Bedarf und nach Möglichkeit nutzen, ansonsten sollten sie zumindest GPS-Tracker mit sich führen, die die Position ihres Teams an das HQ und die anderen Leader übermitteln, damit auf Basis der Positionsdaten entsprechende Taktiken und Manöver koordiniert werden können.

Bei all den Möglichkeiten, die das PES bietet, hat es leider auch ein paar Knackpunkte: Einer ist die potenzielle Ablenkung des Nutzers in unsicheren Situationen. Ein weiterer ist der massiv erhöhte Energieverbrauch des Smartphones bzw. Tablets, weshalb derjenige, der das PES aktiv nutzt, unbedingt eine Powerbank mit sich führen sollte. Noch einer ist unter Umständen der Preis von rund 15 € für die Lizenz, ohne die man keinen Server nutzen kann. Für den gleichen Preis kann man ein Paket mit zehn einfachen Lizenzen erwerben, die aber nur für die einmalige Nutzung gültig sind. Und letztlich stellt die mobile Datenverbindung gerne mal ein Problem dar. Entweder ist sie ungenügend oder gar nicht vorhanden und im Ausland können hierfür nicht unerhebliche Kosten anfallen, sofern man sich im Vorfeld nicht um entsprechende SIM-Karten kümmert.

Resümee

Das gesamte Seminar war in unseren Augen eine wertvolle Erfahrung. Wir haben Wissen aufgefrischt, neue Dinge gelernt, bestehende Kontakte wiedergetroffen und neue geknüpft. Die Organisation und Durchführung des Workshops ließ keine Wünsche offen. Sogar für Brezeln wurde gesorgt.

Wir danken den Organisatoren und dem JOG und sind gespannt, in welcher Form das PES auf der Borderwar zum Einsatz kommen wird.

PES_Garmin_Kompass
Kompasspeilung zum Wegpunkt
PES_Spotted
Sichtung eines Gegenspielers
PES_Impression
Voranschreiten abseits der Wege

Ein Gedanke zu „PES & Navigations-Seminar: ein Schritt Richtung Zukunft

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